URLAUB NACH GRAN CANARIA
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über Gran Canaria
- Wein
- Wasser
- Lucha Canaria (Kanarischer Stierkampf)
- Bananen
- Dünen
> Landkaart van Gran Canaria <
über
Gran Canaria:
Oft fällt es schwer, in der Sonneninsel,
die nur 150 km von Afrikas Küste entfernt liegt und
von der es schon zu Homers Zeiten hieß, dort herrsche der »ewige Frühling«,
eines der
größten Touristenziele Europas zu erkennen. Ungeachtet der drei Millionen
Urlauber, die
hier jedes Jahr Wärme und Erholung suchen, hat Gran Canaria seinen
ländlichen,
mediterranen Charme bewahrt. Ob San Nicolás im Westen, Galdar im Norden
oder Agüimes
im Osten - in den meisten Orten folgt der Alltag seit Generationen
bestehenden Gewohnheiten.
Schmal sind die Hauseingänge, schmal die Stiegen und Gassen, schmal
selbst die
Durchgangsstraßen, durch die sich der Autoverkehr schiebt. Jeder Ruf
hallt von den glatten,
weißen Fassaden wider, die Enge der Häuser verstärkt jedes Geräusch.
Wie eine Herde
Schafe scharen sie sich im Casco antiguo, dem alten Ortskern, um die
Dorfkirche, die wie
ein Hirte hoch erhobenen Hauptes aus der Menge der quadratischen Flachbauten
herausragt. Die weite, baumbeschattete Plaza, sie ist immer noch das
Zentrum kanarischen
Gemeinwesens, Spielplatz für Kinder und Treffpunkt der Alten, die,
in traditionelles
Schwarz gekleidet, über den Lauf der Dinge räsonieren.
Nur morgens und abends herrscht in den Gassen Hast. Leute kommen und
gehen, die
Unterhaltungen sind laut und impulsiv. Kaum zu folgen ist dem kanarischen
Idiom, das
sich in atemberaubender Schnelligkeit über alle Regeln spanischer
Phonetik hinwegsetzt
. Frauen lehnen sich aus den Fenstern, schwere Holztüren klappen auf
und zu, manchmal
erhascht man Blicke in einen der üppig begrünten Patios. Doch bald
läßt die Eile wieder
nach, die Bäckerei leert sich, hohl klingen die letzten Schritte auf
dem Pflaster. Die
Fensterläden werden wegen der steigenden Temperaturen verriegelt,
und eine seltsame
Stille breitet sich aus.
Natürlich ist aber auch auf Gran Canaria die Zeit nicht stehen geblieben.
Die Geschäfte liegen
da, wo man mit dem Auto leicht hinkommt. Hässliche Neubausiedlungen
sind entstanden,
Dorfkerne verwaisen, alte Häuser stehen leer, die Landflucht hält
an. Musste man sich früher
in Stunden- oder Tagesmärschen nach Las Palmas aufmachen, führen heute
gut ausgebaute
Straßen dorthin, wo die besser bezahlten Bürojobs warten. Wer will
da noch in Knochenarbeit
Land bestellen? Selbst wer in Tejeda oder Artenara hoch in den Bergen
wohnt, ist nun in
weniger als einer Stunde in Gran Canarias Halbmillionenkapitale, in
der es ebenso
südländisch hektisch zugeht wie beispielsweise in Sevilla oder Málaga.
Kaum noch etwas erinnert
in Las Palmas an den Ort, den der spanische Conquistador Juan
Rejón 1478 vorfand, als er am 24. Juni mit 600 Getreuen an Land ging,
um die mit 1532 qkm
nach Teneriffa und Fuerteventura drittgrößte Kanareninsel für die
kastilische Krone zu erobern.
Weite Strände säumten den Nordosten der Insel. Ein munterer Fluss
strömte der Küste dort
entgegen, wo heute die Viertel Vegueta und Triana aufeinander treffen.
Fünf Jahre lang wehrten
sich die Altkanarier gegen die Eroberung. Dann setzten sich die Europäer
mit Hilfe ihrer moderne
n Waffen (Gewehre) und ihres großen Heeres durch. Doch in den folgenden
Jahrhunderten
blieben die Veränderungen weitgehend auf Las Palmas und dessen Umgebung
beschränkt.
Der Anbau von Zuckerrohr und Südfrüchten erlebte Aufstieg und Niedergang.
Der Schiffsverkehr
zwischen Europa, Afrika und Amerika bescherte der Stadt steigenden
Wohlstand, aber auch
Piratenüberfälle auf den prosperierenden Hafen. Gran Canaria, das
war Las Palmas. Der Rest
verharrte in bitterer Armut. Noch Anfang dieses Jahrhunderts wanderten
Canarios zu
zehntausenden in die Karibik und nach Lateinamerika aus, um dem Hunger
zu entkommen.
Die Familienbande in die Neue Welt sind noch immer stärker als zur
Península, der
wenig geliebten »Halbinsel« Spanien.
Erst der Tourismus half Gran Canaria endgültig auf die Beine. Seit
Anfang der Sechzigerjahre
im Süden eines der größten Ferienzentren Europas entstand, haben die
Insel und ihre
Bevölkerung rasante Entwicklungen erlebt. 100 000 Gästebetten entstanden
zwischen San
Agustín und Maspalomas, und ein Ende des Baubooms ist nicht in Sicht.
Zu herrlich sind
Strände und die einmalige Dünenlandschaft, zu beständig das schöne
Wetter, zu ideal die
Lage zwischen blitzblauem Meer und den sich dahinter auftürmenden
Bergen. Immer mehr
blasse Nordländer entfliehen alljährlich dem deprimierenden Winterwetter,
nisten sich in
adretten Bungalows, edlen Hotels und klotzigen Bettenburgen ein und
freuen sich über eine
Infrastruktur, die den Bedürfnissen der Urlauber perfekt angepasst
wurde. So ist inmitten h
aushoher Palmen und ganzjährig blühender Blumenpracht aus Bougainvilleen,
Geranien
und Hibiskus die Welt entstanden, die Touristen aus den bunten Prospekten
kennen; der
Süden ist das zweite Gesicht Gran Canarias - ein künstliches.
Wie mit einem Katapult ins 20.Jh. geschossen, taten sich viele Canarios
schwer, dies alles zu
verdauen. Das schnelle Geld lockte, selbst als ungelernter Kellner
ließ sich anfangs viel mehr
als den kanarischen Durchschnittslohn verdienen. Der Süden zog Arbeitskräfte
in Massen an;
drei Viertel der Bevölkerung arbeiten mittlerweile im Fremdenverkehr.
Die Sitten und Gebräuche
der Ausländer rüttelten an dem traditionellen Weltbild der Einheimischen.
Nicht das Wohlergehen
des Familienverbands, sondern eigenes Fortkommen schien Erfolg im
Leben zu garantieren.
Vor allem junge Leute verführt das Leben der Touristen - stets gut
drauf und mit Geld in der
Tasche - heute mehr denn je dazu, es ihnen so schnell wie möglich
gleichtun zu wollen.
Wozu also noch seine Zeit mit einer fundierten Ausbildung verplempern?
Doch verlangt der
Markt nun verstärkt Fachkräfte, die sich die Reisebranche mangels
qualifizierter Insulaner aus
Spanien holen muss. Die Jugendarbeitslosigkeit auf den Kanaren ist
trotz des Urlauberbooms
enorm hoch.
Viele Besucher sind nach ihrer Ankunft auf dem Flughafen Gando geschockt
von der Kargheit
des Inselsüdens. Heruntergekommene, staubige Siedlungen, staubige
Straßen, staubige
Felder und verfallene Plantagen, staubige Luft über Geröllhalden -
auf der Fahrt nach Playa
del Inglés, dort, wo die meisten ihre Ferien verbringen, zeigt ihnen
die Landschaft, was es
bedeutet, 350 Tage im Jahr brennender Sonne ausgesetzt zu sein. Selbst
einheimische
Flora, die dieser Dürre noch Leben abtrotzt, verliert unter dem grauen
Schleier alle Konturen.
Cardón (Säuleneuphorbien), Retama, Tabaiba oder Tajinaste - dickblättrige,
buschige
Gewächse, die lange Zeit Wasser speichern können - haben sich in Jahrmillionen
an eine
Existenz in diesen Trockenzonen angepasst, finden aber inmitten der
Tristesse kaum Beachtung.
Stattdessen nimmt der Blütenzauber der Ferienorte, der nur dank aufwendiger
Bewässerung
existieren kann, die Ankömmlinge gefangen. Viele verlassen diesen
Teil der Insel während ihres
Urlaubs nie. Kilometerlange, feine Sandstrände, Sportanlagen, Funparks,
Einkaufszentren,
Restaurants, Diskotheken und ein Kasino lassen keine Minute Langeweile
aufkommen. Das
stets warme Klima, das Gran Canaria das ganze Jahr über zu einem besonders
beliebten
Reiseziel macht, verleitet dazu, zu bleiben, wo es einem gut geht.
Wein:
Weinbau
hat eine lange Tradition auf den Kanaren. Wohl bereits im 15.Jh. gelangten
die ersten
Rebstöcke von Kreta aus nach Gran Canaria. Und bald schon rissen sich
die europäischen
Königshäuser um die Tropfen aus der schweren Malvasíatraube, denen
sogar Shakespeare
Tribut zollte, als er seinen Falstaff jubeln ließ: »Welch wunderbarer
Nektar, der das Blut durchdring
t und parfümiert!« Viel ist von dieser Pracht nicht geblieben. 500
ha Weinberge gibt es noch an
den Hängen des Monte Lentiscal. Doch es lohnt sich, in einer der kleinen
Bodegas vorbeizuschauen
und dabei eine der raren Flaschen Del Monte zu erstehen, erdigen,
fruchtig - trockenen blanco
(Weißwein), tinto (Rotwein) oder den bernsteinfarbenen moscatel. Traubenernte
ist im September.
Wasser:
Eine Insel, über der ewig die Sonne scheint,
hat auch eine Kehrseite: den Mangel an Wasser.
Früher gab es Flüsse auf Gran Canaria, dichte Lorbeerwälder zogen
Feuchtigkeit aus den
Passatwolken, Brunnen versorgten die Bauern. Nun sind die Bäume abgeholzt,
die Brunnen
versiegt, nur ein Flüsschen fließt noch auf der Insel. In riesigen
Stauseen, die meist bedrohlich
leer sind, wird Regenwasser gesammelt. Meerwasserentsalzungsanlagen
versorgen die
Feriengebiete, Brauchwasser wird recycelt. All das kostet viel Geld
und Energie. Daher hier
eine Bitte, die nicht oft genug wiederholt werden kann: Vergeuden
Sie kein Wasser!
Lucha
Canaria:
Die Lucha Canaria, den kanarischen Ringkampf, gab es schon zur Zeit
der Altkanarier. Sie wird
nur auf den sieben Inseln des Archipels betrieben. In einem Kreis
von ungefähr 15m Durchmesser,
der mit Sägespänen oder Sand ausgelegt ist, treten zwölf Kämpfer zweier
Teams paarweise und
nach Gewichtsklassen gegeneinander an. In Ausgangsposition - vornübergebeugt
einander
zugewandt und das aufgekrempelte Hosenbein des Gegners mit der linken
Hand umklammernd -
beginnt der maximal drei Minuten dauernde Kampf. Mit verschiedenen
Ringergriffen versuchen
die Luchadores, den Gegner auszuhebeln und zu Boden zu werfen. Gelingt
dies, ist der
Kampf vorbei. Es sind sowohl Gewicht als auch Technik und Schnelligkeit
ausschlaggebend.
Wer seinen Gegner in drei Kämpfen zweimal bezwingt, gewinnt. Die Mannschaft
mit den
meisten Siegen entscheidet den Wettbewerb für sich. Die Lucha Canaria
hat zwar ihren
Spitzenplatz im Sport an den Fußball verloren, dennoch ist das Interesse
der Canarios noch
immer groß. Wichtige Turniere werden ausführlich im Fernsehen übertragen.
Große Kämpfe
r sind sehr angesehen und verdienen mit ihrem Können viel Geld. Kämpfe
finden, übers Jahr
verteilt, in vielen Orten statt. Tipps und Termine für den Besuch
einer Lucha Canaria haben
die Touristenbüros.
Bananen:
Gran
Canaria bietet Bananenpflanzen ein ideales Klima. Deshalb gibt es
auch schon seit gut
100 Jahren riesige Plantagen auf der Insel. Im Norden bei Arucas und
im Süden bei Arguineguín
bedecken hunderttausende der dicht an dicht stehenden Stauden weite
Landstriche. Schauen
Sie sich mal eine von nahem an: Jede der großblättrigen Pflanzen entwickelt
in ihrer fünf Monate
dauernden Lebensspanne eine riesige lila Blüte, aus deren Fruchtstand
sich die Bananenfrüchte
entwickeln. Nach der Ernte schlagen Arbeiter die Stämme ab, während
bereits junge Pflanzen
aus dem Boden sprießen. Kanarische Bananen sind kleiner als ihre mittelamerikanischen
Schwestern und wesentlich schmackhafter. Am besten kauft man sie auf
dem Wochenmarkt in Las Palmas.
Dünen:
Die weißgolden flirrenden Dunas de Maspalomas
bieten ein ganz besonderes Naturerlebnis.
Bis zu zwölf m hoch türmen sich die Sandwälle auf. 1,5km weit stoßen
sie an ihrer breitesten
Stelle ins Landesinnere vor. Diese 418 ha Sand, durchsetzt mit einer
eigenen Flora, sind seit
1987 als »Naturlandschaft von nationalem Interesse« unter Schutz gestellt.
Sie bestehen nicht,
wie viele vermuten, aus Flugsand der nur 200 km entfernt liegenden
Sahara, sondern fast
ausschließlich aus von der Brandung zerriebenem, angespültem Korallen-
und Muschelkalk.
Und sie wandern. Im Schneckentempo kriechen die Dünen zwei bis fünf
m pro Jahr in Richtung
Westen, immer wieder neu geformt und gezeichnet vom steten Passat.
Erst mit größerer
Entfernung zum Meer stoppen stärkerer Pflanzenwuchs und abflauender
Wind diese Bewegung.